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AKTUELLES PROJEKT

April 2018

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Duft

 

 

Das chinesische Schriftzeichen für Duft bezieht sich auf den Geruch, Wohlgeruch von Pflanzen und bedeutet eigentlich `Weihrauch`, den man bei der Götterverehrung noch heute verbrennt. Er steigt auf und läßt so die Materie zum Ursprung zurückkehren – zur `Schoschana`, der Urblume der Schöpfung. – Hier ist das Zeichen in kursiver Form geschrieben.

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Der Weg der Bilder – Der Weg des Schreibens

 

 

   In Europa hat die Schrift nie eine so bedeutende Stellung über Jahrhunderte hinweg erlangt wie in Ostasien. Dort wird sie als eine Kunst geschätzt, die schwieriger zu meistern ist als die Malerei. Mehr noch: Die Kalligraphie ist die grundlegende Kunst auch für die Malerei.

Die chinesische Schrift ist keine Lautschrift wie wir sie in unseren europäischen Sprachen kennen. Sie bildet grundsätzlich für jede Wortbedeutung ein eigenes Schriftzeichen. Jedes Schriftzeichen steht also unmittelbar für den gemeinten Inhalt. Verfolgt man nun ein Schriftzeichen in seiner historischen Entwicklung bis zu seinen ersten Ausdrucksformen zurück, entdeckt man sehr konkrete Bilder. Frühe Zeugnisse von 1000 v.Ch. etwa zeigen Einritzungen auf Hornplatten von Schildkrötenpanzern oder auf Kultgefäßen. Immer kam es darauf an, das was die bezeichnete Sache ausmachte, ihr Wesentliches, in knapper und konzentrierter Form abzubilden.

Lässt man sich nun mit künstlerischer Intention und in meditativer Haltung auf ein solches Schrift-Bild-Zeichen ein wie z.B. Stein oder Blume, dann ist es das Bestreben mit diesem Kern, diesem Innersten der Sache in Berührung zu kommen.  In tiefer Konzentration findet die Tusche dann ihren Weg aus dem Geist durch den Arm, die Hand, den Pinsel auf das Papier. Für die Mönche in buddhistischen Klöstern war diese Art der Kalligraphie eine Form der Meditation – der Schreib-Weg, Sho Do (jap.).

„Das erklärte Ziel der Zen-Schriftkünstler war es –dem Ideal ihres Glaubens entsprechend-, der Individualität, ihrem wahren Selbst, sichtbaren Ausdruck zu verleihen. Dabei gilt der Akt des Schreibens als religiöse Handlung und gleichzeitig als künstlerisch-ästhetische Übung.

Der spontane Niederschlag der schreibenden Persönlichkeit in einer „Tuschespur“ musste bei den bewusst unkonventionellen Zen-Meistern zu neuen, bis dahin kaum gekannten Grenzen führen, zu einer gewagten Art „Nicht-Kalligraphie“, die durch die unprätentiöse, ja bisweilen rustikale Einfachheit in vorsätzlicher Abkehr von allen orthodoxen, traditionellen Schriftformen und in gezielter Opposition zu jedem kanonischen Formalismus stand.“ (Zitat aus: Chinesische und japanische Kalligraphie aus 2.Jahrtausenden, Sammlung Heinz Götze, München 1987, S.103)