TOD – LEBEN

 

Tod und Leben

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2001, Kalligraphie/Japanpapier, 140 x 70 cm

Ein gebeugter Mensch vor einer Totenbahre ist in den frühen Formen des Schriftzeichens Tod als Bild noch gut zu erkennen. Wie aber lässt sich eine Einheit bilden mit dem Zeichen für Leben? D.h. die Gegensätze aufzuheben und eine Komposition zu schaffen, in der beide Zeichen ein Ganzes bilden. Sehr viele Blätter entstanden in verschiedenen Formaten, bis dann in der ausgewählten Arbeit das aufsteigende Leben den Tod schützend birgt.

Zeitlos

Christine Lehmann - Zeitlos

 

Kalligraphie 2014 Zeitlos

Vorstufen

 

2014 Kalligraphie/Leinwand, 90 x 60 cm

”…ein zweites zeitlos breites Leben ” ( Rilke)
Für dieses Bild wurden die beiden chinesischen Schriftzeichen der historischen Siegelschrift für Leben/Wachstum
und Ewigkeit/lange Dauer zusammengefügt. Indem Rilke von einem zweiten und zeitlos breiten Leben spricht, weitet er unsere einseitige Vorstellung vom nur hier stattfindenden Leben aus auf ein ewig fortwährendes breites Dasein. Eine junge Pflanze ist der Ursprung des Zeichens für Leben. Das Bild eines Flusses mit Nebenfluss drückt eine sehr lange Dauer aus und ist gleichzeitig das Schriftzeichen für Wasser. Erst wenn an der obersten Spitze des Zeichens noch ein Punkt steht, bedeutet es Ewigkeit. Das fließende Wasser, d.h. die fließende Zeit und der geschlossene, in sich ruhende Punkt bilden dann als Gegensätze gemeinsam die Einheit.

Weisheit – Chochma (hebr.)

Weisheit Christine Lehmann

2007, Kalligraphie / Leinwand / Acryl, 90 x 60 cm

Brot, Nahrung im umfassenden Sinne, ist ein sehr archaisches Motiv und war der Ausgangspunkt für dieses Bild.
Eine der beiden Formen des chinesischen Schriftzeichens für Brot hat die Bedeutung von Paket/etwas einwickeln und geht zurück auf das Piktogramm eines Kindes im Mutterleib. Brot als Ende eines langen Weges mit vielen Entwicklungsstufen wie säen, ernten, mahlen, backen, ist im übertragenen Sinn in unserer Kultur Ausdruck der Vollendung des Lebens und gleichzeitig Wandlung zu Neubeginn. Brot, Tisch und Becher bilden eine Einheit. Um dem Thema so nahe wie möglich zu kommen, habe ich mir einen Pinsel aus Stroh, den Halmen der Ähren, gefertigt.

Yume – Traum

Christine Lehmann- Yume - Traum

2003, Kalligraphie/Japanpapier, 140 x 70 cm

Auch beim Schriftzeichen für Traum ging es darum eine Entsprechung für das Leichte und Flüchtige zu finden.
Den tuschegefüllten Pinsel schwer aufzusetzen verbot sich und so verwendete ich einen selbst gemachten Pinsel aus Filzstreifen, der dann in vielen Versuchen leicht von oben über das am Boden liegende Papier geführt wurde.

Licht/hell

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Vorstufen

 

2002, Kalligraphie/Japanpapier, 140 x 70 cm

Zusammengeschrieben bedeuten die beiden großen Himmelskörper Sonne und Mond das Schriftzeichen Licht/hell. Im Laufe des Kalligraphierens stellte sich heraus wie problematisch es ist, etwas so Immaterielles wie Licht mit schwarzer Tusche auf Papier bringen zu wollen. In kursiver Schreibweise und mit einer einzigen durchgehenden Bewegung geschrieben zeigte sich nach vielen Versuchen, dass es genügte den Pinsel nur in der Luft über dem Papier zu führen und Tropfspuren zu hinterlassen.

Klang

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1996, Kalligraphie/Japanpapier, 140 x 140 cm

Klang, Melodie – Lebensmelodie. In alten chinesischen Schriften ist die Form eines rechten Winkels überliefert mit der Bedeutung von krumm, Abweichung im Gegensatz zu gerade, und auch von Melodie. Der Klang kann die Richtung ändern, kann aufsteigen, ist nicht der Horizontalen verhaftet. In unserem Kulturkreis heißen die Flügel der Engel auch Ecken, Winkel (hebräisch) und wenn diese sich an den Ecken berühren, steigen die Engel auf. Sie sind Botschaften.