Home

LAUFENDES PROJEKT

linie

Rückkehr

Vorstufen

 

 

 

 

 

 

Rückkehr beginnt mit dem ersten Schritt.
Im Iging, dem alten chinesischen Weisheitsbuch der Wandlungen, hat das Hexagramm 24 die Bedeutung ´zurückkehren´, fu.
Gemeint ist ein gezieltes Gehen, d.h. eine klare Ausrichtung haben; das eigene Tun bzw.
Gehen innerhalb des Flusses der Zeit auf ein bestimmtes Ziel richten.
Das chinesische Schriftzeichen für Fu ist zusammengesetzt aus ´Weg´ und ´Schritt´. Zwei Füße hintereinander bilden das Zeichen ´Schritt´,
in der frühen Form sind rechts und links jeweils durch die Position der großen Zehe unterschieden.
Gemeint ist die grundlegende Rückkehr des Menschen auf seinem Lebensweg durch die Zeit wieder zu seinem Ursprung.
Eine Wegkreuzung lässt sich noch in der frühen Form des Schriftzeichens für Weg erkennen, darauf vier Füße und alles ausgerichtet auf das Ziel,
einen geschlossenen Kreis. Er ist Ausdruck für die Einheit, die alles umfasst, in der alles enthalten ist.
Der Fluss der vorübergehenden Zeit, d.h. das Wassermotiv mit geschwungenen Wellen dringt vom unteren Rand ins Bild vor;
es ist die Spiegelung und Entsprechung der oberen Welle im Ursprung. Immer beziehen sich Diesseits und Jenseits aufeinander , gemeinsam sind sie die Einheit.

linie

 

Der Weg der Bilder – Der Weg des Schreibens

 

freude

   In Europa hat die Schrift nie eine so bedeutende Stellung über Jahrhunderte hinweg erlangt wie in Ostasien. Dort wird sie als eine Kunst geschätzt, die schwieriger zu meistern ist als die Malerei. Mehr noch: Die Kalligraphie ist die grundlegende Kunst auch für die Malerei.

Die chinesische Schrift ist keine Lautschrift wie wir sie in unseren europäischen Sprachen kennen. Sie bildet grundsätzlich für jede Wortbedeutung ein eigenes Schriftzeichen. Jedes Schriftzeichen steht also unmittelbar für den gemeinten Inhalt. Verfolgt man nun ein Schriftzeichen in seiner historischen Entwicklung bis zu seinen ersten Ausdrucksformen zurück, entdeckt man sehr konkrete Bilder. Frühe Zeugnisse von 1000 v.Ch. etwa zeigen Einritzungen auf Hornplatten von Schildkrötenpanzern oder auf Kultgefäßen. Immer kam es darauf an, das was die bezeichnete Sache ausmachte, ihr Wesentliches, in knapper und konzentrierter Form abzubilden.

Lässt man sich nun mit künstlerischer Intention und in meditativer Haltung auf ein solches Schrift-Bild-Zeichen ein wie z.B. Stein oder Blume, dann ist es das Bestreben mit diesem Kern, diesem Innersten der Sache in Berührung zu kommen.  In tiefer Konzentration findet die Tusche dann ihren Weg aus dem Geist durch den Arm, die Hand, den Pinsel auf das Papier. Für die Mönche in buddhistischen Klöstern war diese Art der Kalligraphie eine Form der Meditation – der Schreib-Weg, Sho Do (jap.).

„Das erklärte Ziel der Zen-Schriftkünstler war es –dem Ideal ihres Glaubens entsprechend-, der Individualität, ihrem wahren Selbst, sichtbaren Ausdruck zu verleihen. Dabei gilt der Akt des Schreibens als religiöse Handlung und gleichzeitig als künstlerisch-ästhetische Übung.

Der spontane Niederschlag der schreibenden Persönlichkeit in einer „Tuschespur“ musste bei den bewusst unkonventionellen Zen-Meistern zu neuen, bis dahin kaum gekannten Grenzen führen, zu einer gewagten Art „Nicht-Kalligraphie“, die durch die unprätentiöse, ja bisweilen rustikale Einfachheit in vorsätzlicher Abkehr von allen orthodoxen, traditionellen Schriftformen und in gezielter Opposition zu jedem kanonischen Formalismus stand.“ (Zitat aus: Chinesische und japanische Kalligraphie aus 2.Jahrtausenden, Sammlung Heinz Götze, München 1987, S.103)